In vier Schritten zu neuen Lösungen und Entscheidungen

Der Lösungsraum

Die Vorstellung von einem Lösungsraum hat sich bei der Suche nach neuen Lösungen und Entscheidungen als sehr hilfreich herausgestellt. Eine aufmerksame Prozessbegleitung sowie bewusster und disziplinierter Methodeneinsatz fördern Kreativität, Vielfalt, die Nutzung des Potentials der Beteiligten, die Auswahl von Lösungsalternativen und damit letztlich die Qualität von Entscheidungen.

Wie funktioniert der Lösungsraum?

Stelle Dir vor, Du betrittst mit Deinem konkreten Thema oder Deiner konkreten Fragestellung einen Raum, der wie zwei aufeinandergesetzte Trichter geformt ist. Du füllst den ersten Teil des Raumes mit möglichst vielen Lösungsansätzen. Danach verdichtest Du diese zu wenigen konkreten Lösungsalternativen im zweiten Trichter. Du verlässt den Lösungsraum mit einer Entscheidung für eine der Lösungsalternativen.

Die Schritte durch den Lösungsraum

Gute Lösungen und Entscheidungen finden | oe-kompass.de1. Thema / Fragestellung konkretisieren

Sei Dir über das Thema oder die Fragestellung klar. Diese Fragen können Dich leiten: Wie soll es sein? Wie ist es jetzt? Was soll sich also konkret ändern? Gibt es ein eigentliches Bedürfnis hinter dem Änderungsbedarf? Nimm Dir Zeit dafür und binde Betroffene ein, denn: Die Qualität der Fragestellung bestimmt die Qualität der Ergebnisse. Ist die Frage zu weit gefasst oder zu eng oder geht sie am eigentlichen Bedürfnis vorbei, dann wird die Lösung am Ende dieses Prozesses vermutlich nicht helfen.

2. Raum der Möglichkeiten füllen

Nimm Menschen mit Dir in den Raum, die offen dafür sind, möglichst viele mögliche und unmögliche, naheliegende und spinnerte, qualifizierte und unqualifizierte Möglichkeiten zum Thema oder zur Fragestellung frei von Beschränkungen und Kritik zu generieren. Einige der Beteiligten sollten um das Thema Wissen aus unterschiedlichen Perspektiven mitbringen und andere wiederum – das ist wichtig – sollen und dürfen vom Thema keine Ahnung haben. Nutze kreative Methoden und Formate. Und – das ist besonders wichtig – achte auf eine einladende, erlaubende und anregende, also moderierende Führung. Das einzige, was die Moderation in dieser Phase begrenzen soll, ist alles, was den Ideenfluss begrenzt (echtes Brainstorming ist gar nicht so einfach!). Je geübter die Teilnehmer im unbeschränkten Äußern von Ideen sind, desto weniger Briefing und Moderation ist erforderlich.

3. Möglichkeiten zu Alternativen verdichten

Mit denselben oder anderen Menschen – das hängt von der Aufgabenstellung, der Haltung der Beteiligten oder einfach von deren Verfügbarkeit ab – betritt mit Deinen Möglichkeiten im Gepäck den zweiten Teil des Raumes. In diesem Teil verdichtest Du die Möglichkeiten auf konkrete Handlungsalternativen. Du bewertest sie dafür, findest Daten oder sichere Hinweise, wo vorher bloße Vermutungen standen. Du verdichtest aussichtsreiche Ansätze zu konkreten, entscheidungsfähigen Alternativen. Wo im 2. Schritt Moderation als Prozessbegleitung gefragt war, ist es hier Management: Was können wir beeinflussen und was liegt außerhalb unseres Einflusses (und achte darauf, ob Du Deine Einflussmöglichkeiten bei der Beantwortung dieser Fragen als Teil Deiner Muster nicht selbst beschränkst oder überschätzt)? Was brauchen wir bis wann? Welche Qualitätsmerkmale setzen wir für die Ergebnisse an bzw. wie wollen wir den Erfolg messen? Welche Ressourcen wollen oder können wir mobilisieren? …

4. Entscheiden

Wenn nur eine Lösung herausgekommen ist, dann ist das die Entscheidung. Wenn Alternativen zur Verfügung stehen, entscheide bewusst. Und entscheide auch bewusst zur Art und Weise der Entscheidung: Wer entscheidet – einer, alle, …? Nach welchem Verfahren fällt im Miteinander die Entscheidung? Wenn es keine umsetzbare Lösung gibt, gehe zurück an den Start und überlege, ob Du die Fragestellung ändern solltest, andere Beteiligte einbinden oder andere Methoden einsetzen willst.

Wann macht der Lösungsraum Sinn?

Grundsätzlich kann der Lösungsraum in allen Situationen eingesetzt werden, in denen aufrichtig auch nach Neuem gesucht wird. Bei der Entscheidung für eine passende Abendveranstaltung genauso wie bei der Suche nach dem Atomendlager. Wenn Du ihn im Team beschreitest, hast Du ein größeres Potential für gute Lösungen, als wenn Du ihn allein nutzt. Die „Denke“ hilft sehr gut auch in Situationen, die Du nur mit Dir allein gestalten kannst. Ist das Prinzip einmal klar und geübt, kannst Du es – je nach Komplexität der Aufgabenstellung – sogar in wenigen Sekunden einsetzen.

Der kritische Erfolgsfaktor in diesem Prozess ist nach unserer Erfahrung die Art und Weise der Zusammenarbeit und der Führung. Wenn es bei Zusammenarbeit oder Führung hakt, könnte der OE-Kompass wertvolle Hinweise auf notwendige Veränderungen geben.

Autor: Björn Thies-Studt